Die vorliegende Taschenbuchausgabe ist identisch mit der 1979 im Rahmen der Schriften Kracauers erschienenen Ausgabe - einer sorgfältigen Neuübertragung, die erstmals den gesamten Text des Buches in deutscher Sprache brachte. Erst mit dieser Ausgabe konnte dem deutschen Leser die von Kracauer gezogene Linie »von Caligari zu Hitler« einsichtig werden. Kracauer begreift Film als ein Medium, das Gesellschaftliches in gleicher Weise widerspiegelt wie kanalisiert, verschleiert wie entschlüsselt - in wechselnden Graden der Bewußtheit bzw. Blindheit.
Bekannt geworden ist vor allem die titelgebende Analyse des berühmten expressionistischen
Stummfilms Das Cabinett des Dr. Caligari (1919). Diese Untersuchung steht
beispielhaft für das gesamte Buch. Kracauer weist anhand der Figuren und
des filmischen Szenarios im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ein >>Überwiegen
autoritärer Neigungen<< nach. Untersuchungen zur Ästhetik verbinden sich
mit psychologischen Analysen. So nähert sich Kracauer über die Betrachtung
von Bergfilmen und Filmen mit nationaler Thematik zeitlich dem Endpunkt
seiner Filmgeschichte (1933), den er zugleich zum Ausgangspunkt für das
Lebendigwerden der filmischen (Un)Gestalten erklärt.