Die Gedichte Osamah Aldharis, die hier in diesem Band in einer Auswahl präsentiert werden, sind von den ihn prägenden Erlebnissen bestimmt, vom Aufstand gegen das autoritäre Regime im Jemen, von der gewaltsamen Niederschlagung der Revolution, von Flucht und Exil.
Traurige Gedichte sind es, starke Gedichte sind es, in denen Aldhari die Geschehnisse ins Poetische überträgt. Obwohl die Hoffnung auf politische Veränderung in einer Katastrophe endete, blitzen in ihnen Ironie auf, ein schöner Sarkasmus und bei allem Ernst auch Humor. Mit neugierigem und fragendem Blick sinnt der Dichter seinem Leben im Exil nach und verliert dabei nicht die Bodenhaftung, verliert sich nicht in Rhetorik, sondern spricht uns Leserinnen und Leser direkt an.
Erschöpfung
Ich bin nicht so stark,
um mit jemandem zu kämpfen.
Einem Passanten kann ich kaum winken,
kann kaum den Abstand richten zwischen Krieg und Exil.
Ich bin nicht neutral.
Schlage Beleidigungen und Schmerzen in den Wind,
spüre die Blutfäden und stecke sie in die Tasche
und sage mit leiser Stimme: Ich werde daraus eine Sonne weben.
Die Nacht lacht.